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Wenn du an einen Segelurlaub denkst, schweifen deine Gedanken wahrscheinlich ans Mittelmeer oder in die Karibik. Doch an der Ostküste der Ostsee liegt Lettland und bietet dir etwas, das diese bekannten Reviere nicht haben: eine raue, unberührte Küste, an der Kiefernwälder auf weiße Sandstrände treffen, jahrhundertealte Fischerdörfer sich kaum verändert haben und du stundenlang segeln kannst, ohne ein anderes Boot am Horizont zu sehen. Wenn du ein Segelschiff mieten möchtest und statt Standard lieber das Außergewöhnliche suchst, gehört Lettland ganz oben auf deine Liste.
Lettland liegt im Nordosten Europas und grenzt im Norden an Estland, im Süden an Litauen, im Osten an Russland und im Südosten an Belarus. Über die Ostsee besteht eine Seegrenze zu Schweden. Mit rund 64.589 Quadratkilometern ist das Land etwa so groß wie West Virginia in den USA oder wie Belgien und die Niederlande zusammen. Es hat rund 1,83 Mio. Einwohner, und die Hauptstadt Riga ist die größte Stadt im gesamten Baltikum.
Für Segler besonders spannend ist die rund 498 Kilometer lange Küste, die sich auf die offene Ostsee und den geschützten Rigaischen Meerbusen verteilt. Der Rigaische Meerbusen ist ein flaches Gewässer mit maximal 26 Metern Tiefe und damit ein ideales Revier für Segler aller Erfahrungsstufen. Die Landschaft ist überwiegend flach, mehr als die Hälfte des Landes ist von dichten Kiefern-, Fichten- und Birkenwäldern bedeckt. Zudem durchziehen über 12.000 Flüsse und mehr als 3.000 Seen das Land. Das Klima ist gemäßigt maritim, die Sommer sind mild mit Durchschnittstemperaturen zwischen 16 und 20 Grad Celsius. In Lettland zahlst du mit dem Euro, was es für Reisende aus der EU besonders unkompliziert macht und auch für Besucher aus den USA, UK oder Australien einfach gestaltet.
Es gibt viele Gründe, in Lettland ein Segelschiff zu buchen, statt den üblichen Routen zu folgen:
Entlang der Küste findest du zahlreiche Marinas und Häfen mit ganz eigenem Charakter. Einige der schönsten Stopps:
Die Andrejosta Marina liegt mitten in der Hauptstadt. Von deinem Liegeplatz erreichst du die zum UNESCO-Welterbe gehörende Altstadt in wenigen Minuten zu Fuß. Riga wurde 1201 als Hafenstadt gegründet und besitzt die weltweit größte Dichte an Jugendstilgebäuden mit über 800 Bauwerken. Die Daugava, die durch die Stadt fließt, verbindet dich direkt mit dem Rigaischen Meerbusen und der offenen See.
Diese kleine Hafenstadt an der offenen Ostsee ist besonders bei skandinavischen Seglern beliebt. Früher war Pāvilosta ein bedeutender Schiffbauort mit drei Werften vor dem Ersten Weltkrieg. Heute ist der Ort bekannt für Windsurfen, seine sich ständig verändernde Küstenlinie und ein kleines Heimatmuseum in einem Feldsteingebäude von 1879. Entlang der Promenade findest du gemütliche Cafés mit geräuchertem Fisch und Craft-Bier.
Ventspils liegt geschützt an der Mündung des Flusses Venta hinter stabilen Wellenbrechern. Der Hafen friert im Winter nicht zu und ist ganzjährig in Betrieb. An Land erwarten dich Strände mit Blauer Flagge, eine Burg des Livländischen Ordens mit Museum und eine familienfreundliche Altstadt mit bunten Kuhskulpturen und Blumenanlagen.
Liepāja wird die Stadt genannt, in der der Wind geboren wird. Sie ist die drittgrößte Stadt Lettlands und gilt als Musikmetropole mit Sinfonieorchester und vielen Sommerfestivals. Der Stadtteil Karosta war einst eine geheime sowjetische Militärbasis mit einem ehemaligen Marinegefängnis, das du besichtigen oder sogar für eine Nacht buchen kannst. Die teilweise vom Meer zurückeroberten Nordforts sind eindrucksvolle Ruinen wie sonst nirgends an der Ostsee. Zudem gibt es eine Fährverbindung nach Travemünde in DE.
Diese kleineren Häfen an der Westküste des Rigaischen Meerbusens bieten dir ein ruhigeres Segelerlebnis. Die Route von Mērsrags nach Engure führt durch einige der ursprünglichsten Küstenlandschaften Lettlands. Engure liegt nahe dem gleichnamigen See, einem wichtigen Vogelbeobachtungsgebiet, während Roja ein charmantes Fischerdorf mit wachsenden Reparaturmöglichkeiten für Gastboote ist.
Im Nordosten der lettischen Küste gelegen, ist Salacgrīva das Tor nach Estland. Hier macht die jährliche Gulf of Riga Regatta Station, das größte Hochsee-Seglevent des Landes. Bekannt ist der Ort auch für sein Fischfestival und den nahegelegenen Fluss Salaca, eine der schönsten Wasserstraßen Lettlands.
Amtssprache ist Lettisch, eine der ältesten noch gesprochenen indogermanischen Sprachen. Englisch ist weit verbreitet, besonders bei jüngeren Menschen und im Tourismus. Auch Russisch ist geläufig, teilweise wird Deutsch verstanden. In Marinas, Restaurants und Geschäften kommst du problemlos zurecht.
Seit 2014 ist der Euro offizielle Währung. Für Reisende aus den USA, UK oder Australien sind Geldautomaten und Kartenzahlung weit verbreitet. Liegegebühren, Essen und Proviant sind deutlich günstiger als in Skandinavien oder Westeuropa.
An Lettlands Ostseeküste leben viele Kegelrobben, die du mit etwas Glück vom Boot aus beobachten kannst. Zudem ist die Region eine wichtige Zugvogelroute, besonders rund um Kap Kolka und den Nationalpark Slītere. Ein Fernglas lohnt sich auf jedem Törn.
Auch im Sommer kann es auf dem Wasser kühl sein. Pack am besten mehrere Schichten, eine winddichte Jacke und rutschfeste Schuhe ein. Nebel tritt vor allem im Mai und September auf. Die stabilsten Bedingungen findest du meist zwischen Juni und August.
Lettland blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, geprägt von Wikingern, Kreuzrittern des Deutschen Ordens, der Hanse, schwedischer und russischer Herrschaft sowie Jahrzehnten sowjetischer Besatzung bis zur Unabhängigkeit 1991. Diese Spuren siehst du überall, von den mittelalterlichen Gassen Rigas bis zu den sowjetischen Ruinen in Liepāja und den livländischen Fischerhütten an der Küste von Kurzeme.
Wenn du entlang der Küste segelst, erlebst du diese Geschichte aus einer Perspektive, die den meisten Reisenden verborgen bleibt. Während andere auf Autobahnen unterwegs sind, gleitest du von Hafen zu Hafen auf Routen, die schon mittelalterliche Kaufleute nutzten. Die Wälder reichen bis an die Dünen, Leuchttürme senden weiterhin ihre Signale, und die Gastfreundschaft, ob bei einem kalten Bier in Pāvilosta oder frisch geräuchertem Fisch in Roja, ist herzlich und echt.
Lettland ist kein Revier, das jedem sofort einfällt. Genau das macht es besonders. Es ist ideal für alle, die sich überraschen lassen wollen, Authentizität schätzen und das Gefühl genießen, fast allein auf dem Wasser zu sein.
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