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Stell dir ein Land mit fast 180.000 Inseln, über 180.000 Seen und Sommernächten vor, die so hell sind, dass die Sonne kaum unter den Horizont sinkt. Willkommen in Finnland, einem der bestgehüteten Segelgeheimnisse Europas. Eingebettet zwischen Schweden, Norwegen und Russland im hohen Norden Europas erstreckt sich Finnland über 338.000 Quadratkilometer voller Wälder, Wasserwege und Küsten. Die Küste grenzt an die Ostsee, den Bottnischen Meerbusen und den Finnischen Meerbusen und misst mit all ihren Buchten rund 4.600 km. Und trotz dieses Wasserreichtums gehört Finnland mit nur 5,5 Millionen Einwohnern auf einer Fläche größer als Italien zu den am dünnsten besiedelten Ländern Europas. Wenn du einen Segelurlaub fernab vom überfüllten Mittelmeer suchst, bist du hier genau richtig.
Wer bereits in der Ostsee gesegelt ist, weiß: Finnland bietet etwas Seltenes. Ruhe auf dem Wasser kombiniert mit erstklassiger Infrastruktur. Darum solltest du für deinen nächsten Urlaub oder Wochenendtrip ernsthaft darüber nachdenken, ein Segelschiff in Finnland zu buchen.
Allein das Schärenmeer in Finnland umfasst schätzungsweise 40.000 bis 50.000 Inseln, Inselchen und Felsenriffe. Nach manchen Definitionen ist es damit das größte Archipel der Welt gemessen an der Anzahl der Inseln. Viele davon sind völlig unbewohnt. Du kannst also in einer bewaldeten Bucht ankern und hast die ganze Insel für dich allein. Die Åland-Inseln bringen weitere 6.500 Inseln ins Spiel. Durch die enorme Dichte verändert sich die Landschaft ständig beim Segeln, und geschützte Gewässer sind nie weit entfernt.
Im Juni und Juli erlebst du im Süden Finnlands die sogenannte Nacht ohne Nacht. Selbst rund um Helsinki scheint die Sonne am längsten Tag fast 19 Stunden, und richtig dunkel wird es nicht. Stattdessen liegt die ganze Nacht ein warmes gold-oranges Leuchten über dem Horizont. Weiter nördlich, oberhalb des Polarkreises, geht die Sonne wochenlang gar nicht unter. Für dich bedeutet das nahezu unbegrenzte Segelzeit, lange Abende vor Anker und Sonnenuntergänge, die direkt in Sonnenaufgänge übergehen.
Im Finnischen Meerbusen gibt es keine spürbaren Gezeiten. Schwankungen des Meeresspiegels durch Wind oder Luftdruck verlaufen langsam und betragen selten mehr als etwa 40 Zentimeter. Im Sommer wehen die Winde im Archipel meist mit angenehmen 10 bis 12 Knoten, und die unzähligen Inseln bieten natürlichen Schutz vor Seegang auf offener See. So entstehen komfortable Segelbedingungen, auch wenn das Navigieren zwischen Inseln und Felsen spannend bleibt.
Finnland pflegt seit Jahrhunderten das Jedermannsrecht, auf Finnisch Jokamiehenoikeus. Es erlaubt allen Menschen, auch ausländischen Besuchern, sich frei in der Natur zu bewegen, in Seen und im Meer zu baden, wilde Beeren und Pilze zu sammeln und mit einfacher Angel zu fischen, unabhängig vom Grundbesitz. Wenn du also auf einer unbewohnten Insel an Land gehst, kannst du durch die Wälder streifen, Blaubeeren und Pfifferlinge sammeln und die Natur frei genießen. Einzige Pflicht: respektiere die Umwelt. Nichts zerstören, niemanden stören und keine Spuren hinterlassen.
Finnland zählt regelmäßig zu den sichersten Ländern der Welt und hat eine der niedrigsten Kriminalitätsraten weltweit. Englisch wird vor allem in Küsten- und Urlaubsregionen breit gesprochen. Bezahlt wird mit dem Euro, und Kartenzahlung ist fast überall möglich, selbst in abgelegenen Inselshops. Die Gästehäfen sind gepflegt und bieten oft Services wie Sauna, Frischwasser und Strom.
Die finnische Küste bietet mehrere unterschiedliche Segelreviere mit ganz eigenem Charakter. Hier findest du einige Highlights, darunter auch Orte, die selbst erfahrene Ostsee-Segler manchmal übersehen.
Startest du in Turku, der ältesten Stadt Finnlands, tauchst du in ein Labyrinth aus Inseln ein, das sich südwestlich bis zu den Åland-Inseln zieht. Der Turku-Archipel ist das Lieblingsrevier vieler skandinavischer Segler, und das aus gutem Grund. Geschützte Wasserwege schlängeln sich zwischen kiefernbewachsenen Inseln hindurch, und regelmäßig tauchen Gästehäfen auf. Lege in Korpoström an und genieße das beliebte Restaurant und wechselnde Kulturausstellungen. Segle nach Nauvo, eine lebendige Inselgemeinde, deren Einwohnerzahl sich im Sommer vervielfacht, mit quirligem Yachthafen, Sandstränden und lokalen Kunsthandwerksständen. Die ehemalige Militärinsel Oro, seit 2015 für die Öffentlichkeit zugänglich, gehört heute zum Nationalpark Schärenmeer und begeistert mit seltener Flora, gut erhaltener Militärgeschichte und tollen Wanderwegen.
Die autonomen Åland-Inseln liegen zwischen Finnland und Schweden. Rund 6.500 Inseln mit eigener Flagge, eigenem Parlament, eigenen Briefmarken und Schwedisch als einziger Amtssprache. Die Hauptstadt Mariehamn verfügt über zwei große Marinas. Eine Rundtour um die Hauptinseln schaffst du entspannt in 7 bis 10 Tagen mit angenehmen Tagesetappen. In Mariehamn findest du auch das Åland Maritime Museum, ein Denkmal für die Zeit, als hier die größte Flotte hölzerner Segelschiffe der Welt beheimatet war. Das Museumsschiff Pommern, eine Viermastbark von 1903, liegt direkt dahinter vor Anker.
Hanko liegt am südlichsten Zipfel Finnlands und ist seit Langem ein Treffpunkt für Segler. Bekannt für pastellfarbene Holzvillen aus der Zeit um 1900 und 30 Kilometer Sandstrand, findet hier jeden Juli die berühmte Hanko-Regatta statt. Ein weniger bekannter Höhepunkt ist die Meerenge Hauensuoli, auch Pike's Gut genannt. Seit dem 15. Jahrhundert dient sie als Hafen. Die Felsen sind mit jahrhundertealten Gravuren von Namen und Wappen bedeckt, die Seeleute hinterließen, während sie auf günstige Winde warteten.
Der Hafen von Helsinki ist ein lohnender Stopp auf jeder Route. Die UNESCO-Welterbefestung Suomenlinna, ab 1748 auf mehreren vorgelagerten Inseln erbaut, besitzt einen kleinen Gästehafen für Besucherboote. Östlich von Helsinki liegt der geschützte Naturhafen Bockhamn. Auch die Yachtclub-Insel Valkosaari direkt im Hafen von Helsinki ist einen Halt wert.
Weniger ausländische Boote segeln weiter nach Osten, doch wer es tut, wird belohnt. Die Stadt Kotka bietet im Hafen Sapokka gute Marina-Services und beherbergt im Museumszentrum Vellamo das Maritime Museum of Finland. Noch weiter östlich liegt die kreisförmig angelegte Stadt Hamina mit der Marina Rampsi auf der Halbinsel Tervasaari. In der Nähe von Porvoo findest du im Pellinki-Archipel von Inseln gesäumte Gewässer mit echter Abgeschiedenheit.
Die Saison dauert in Finnland meist von Anfang Mai bis Ende September, mit Juni bis August als Hochsaison. Im Hochsommer erreichen die Temperaturen im Süden oft 20 bis 25 Grad Celsius und gelegentlich über 30 Grad. Abends kann es jedoch frisch werden, also pack lieber im Zwiebellook. Das Wetter kann sich in diesen Breitengraden schnell ändern.
Helsinki ist per Flug gut mit großen Städten weltweit verbunden. Turku, das Tor zum Archipel, liegt etwa 2,5 Stunden westlich von Helsinki. Fähren verbinden Finnland mit Stockholm, Tallinn und weiteren Ostseehäfen. Du kannst auch direkt per Fähre in Mariehamn auf den Åland-Inseln oder in Hanko ankommen, das mit Nynäshamn bei Stockholm verbunden ist.
Das finnische Archipel ist navigatorisch anspruchsvoll wegen der hohen Inseldichte, Felsen über und unter der Wasserlinie und einer Betonnung, an die man sich erst gewöhnen muss. Detaillierte Seekarten vorab zu studieren ist sehr empfehlenswert. Positiv ist, dass es viele Tonnen und Seezeichen gibt und rund 240 Marinas und Gästehäfen die Küste säumen. Im Schärenmeer und auf Åland findest du alle 10 bis 20 Seemeilen einen Hafen oder eine Anlegemöglichkeit.
Finnland nutzt den Euro. Die Liegegebühren in Gästehäfen sind im Vergleich zu vielen westeuropäischen Segelzielen moderat. Oft sind Sauna, Frischwasser und Strom im Preis enthalten. Kartenzahlung ist weit verbreitet, etwas Bargeld für sehr abgelegene Inselshops schadet aber nicht.
Finnisch und Schwedisch sind Amtssprachen. In Küstenregionen, besonders auf Åland und im südwestlichen Archipel, ist Schwedisch oft die Hauptsprache. Englisch wird fast überall gesprochen, Verständigungsprobleme sind selten. Wenn du ein paar finnische oder schwedische Begrüßungen lernst, kommst du schnell mit Einheimischen ins Gespräch.
Finnland ist nicht das erste Land, das den meisten in den Sinn kommt, wenn sie einen Segelurlaub planen. Genau das macht seinen Reiz aus. Keine überfüllten Ankerplätze, kein Gedränge in Marinas zur Hochsaison und keine Notwendigkeit, deine private Insel mit anderen zu teilen. Stattdessen erwarten dich endlose Wasserwege, Wälder zum Durchstreifen, Beeren zum Pflücken, Saunen zum Aufwärmen und eine Stille, die heute selten geworden ist. Das lange Sommerlicht zieht jeden Tag in eine sanfte Ewigkeit, und die Landschaft, geformt von uralten Gletschern und der langsamen Hebung des Landes aus dem Meer, wirkt zugleich zeitlos und lebendig.
Buche jetzt dein Segelschiff und lass dich von Finnland mit etwas überraschen, von dem du nicht wusstest, dass du es suchst.